| 19:01 Uhr

LKw-Fahrverbot
Auf der Suche nach einem Kompromiss

Mit großen Plakaten machen die Anwohner der B 169 auf das Straßenlärmproblem aufmerksam.
Mit großen Plakaten machen die Anwohner der B 169 auf das Straßenlärmproblem aufmerksam. FOTO: Nicole Nocon
Klein Oßnig. Lkw-Fahrverbot, Lärmschutzfenster, Ortsumfahrungen – ein Runder Tisch will den Lärmschutz für Anwohner an der B 169 voranbringen. Von Christian Taubert

Der Saal in der Gaststätte „Klein Oßnig“ ist proppenvoll. Während drinnen über Lärmschutz für die Anwohner der B 169 debattiert wird, rattert an den Fenstern ein Lkw nach dem anderen vorbei. Für Anlieger ist das Alltag – 1000 Schwerlaster befahren diese Bundesstraße zwischen Cottbus, Senftenberg und Schwarzheide täglich.

Die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzwerte werden tags und nachts deutlich überschritten. Zwei Verwaltungsgerichtsurteile stärken den Anwohnern in ihrem Kampf um mehr Lärmschutz den Rücken.

Doch fast ein Jahr nach dem ersten Urteil, vier Jahre, nachdem die Anwohner ihren Unmut gegenüber den Landkreisen Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz artikuliert haben und acht Jahre, nachdem der Ortsumfahrung Drebkau zügig weitere Ortsumfahrungen folgen sollten, ist nicht mehr als Tempo 30 für Klein Oßnig herausgesprungen.

Dass der Großräschener Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick (SPD) dennoch zum Runden Tisch mit allen Beteiligten und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) geladen hatte, nötigt Respekt ab. Denn obwohl es die Einhaltung einer Zusage aus der öffentlichen Sendung aus der Reihe „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ vom Juli war, die Fronten im Lärmschutz-Streit sind verhärtet. Und vor allem: Was gibt es Neues?

Wer die bisherigen Debatten verfolgt hat, für den dürfte sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen halten. Jeder der inzwischen sechs Player (siehe Infobox) hat seine (bekannte) Position erläutert.

Dabei hat die Ministerin vorausgeschickt, „dass es nicht gleich Lösungen geben wird, die allen Beteiligten gerecht werden“. Und später fügte sie hinzu, dass man sich annähern wolle, „um einen Ausgleich zwischen den Interessen der Wirtschaft und der Anwohner zu finden“.

Wie der Ausgleich aussehen könnte, haben die Aktionsgemeinschaft B 169 aus ortsansässigen Unternehmern, die Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz und das Infrastrukturministerium klar gemacht. „Unser Fokus liegt auf passivem Lärmschutz“, bringt es SPN-Dezernent Carsten Billing auf den Punkt. Es geht um den Einbau von Lärmschutzfenstern in Häuser von betroffenen Anwohnern. Hierfür sei mit dem Bund und dem Land eine hundertprozentige Finanzierung erreicht worden.

Frank Wollermann preist diese Fenster als „die beste Lösung für mehr Lärmschutz“ an. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Cottbus Peter Kopf bietet eine Besichtigung für Interessenten in einem bereits umgerüsteten Haus an. Für Ministerin Schneider stellen passiver Lärmschutz und die weiteren Planungen an den Ortsumfahrungen offenkundig die Kompromisslinie dar.

Als der Runde Tisch, der nun halbjährlich stattfinden soll, in eine Werbeveranstaltung für Lärmschutzfenster abzugleiten drohte, dämpfte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) B 169 Gerhard Düring die Euphorie. „Und mit dem Eingriff in die Bauphysik der größtenteils älteren Häuser stehen wir allein da.“

Düring brachte zudem wieder ins Spiel, mit Lkw-Fahrverboten den Transit-Verkehr auf die Autobahnen zu zwingen. Das lehnen OSL-Landrat Siegurt Heinze (parteilos), dessen Behörde das Urteil zu Allmosen vom Oberverwaltungsgericht prüfen lässt, und Spree-Neiße jedoch ab. „Die B 169 ist neben den Autobahnen eine Verkehrsader im Süden Brandenburgs“, erklärte Heinze. Und Billing fügte hinzu: „Der Nutzen für die Lärmreduzierung ist geringfügig.“ Ein IG-Mitglied hatte dagegen darauf verwiesen, dass der gut 30-km-Umweg über das Spreewalddreieck für Lkw lediglich fünf Minuten mehr Fahrzeit in Anspruch nehme.

Im Sinne von Initiator Wolfgang Roik, der eine Kompromisssuche angekündigt hatte, dürfte die Frage des Geschäftsführers des Verbandes Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg, Eberhard Tief, an die IG gewesen sein. „Wir wollen ein Lkw-Nachtfahrverbot“, sagte Gerhard Düring. Die sofortige Ablehnung am Runden Tisch in „Schön Oßnig“ blieb zumindest diesmal aus.