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Kommentar
Er verkauft uns für dumm

Jan Siegel
Jan Siegel FOTO: Sebastian Schubert / LR
Was nimmt der denn? Matthias Müller plädiert für das Ende des Dieselprivilegs in Deutschland. Diese Forderung wäre kaum bemerkenswert, wenn sie von einem Grünenpolitiker käme. Matthias Müller aber ist VW-Chef. Wir erinnern uns: Das ist der Laden, der Millionen Kunden mit Diesel-Tricksereien betrogen hat. Jan Siegel

Es ist nicht Müllers grünes Gewissen, das gerade erwacht. Es geht knallhart ums Geschäft. Zwei Gründe gibt es nämlich für seinen Verbalvorstoß. Erstens schürt der gewiefte Automanager bei Dieselfahrern Angst. Viele Pendler haben sich gerade in Flächenländern wie Brandenburg oder Sachsen einen Diesel gekauft, weil sie bei Fahrleistungen von mehr als 30 000 Kilometern und einem Verbrauch von vier bis fünf Litern sehr viel Geld sparen können. Müller will aber viel lieber wieder ganz viele neue Benziner verkaufen. Das hat in den vergangenen Monaten bei VW schon super funktioniert. Und ganz nebenbei fordert er vom Bund für seinen Laden noch Millionen aus den dann sprudelnden Dieselsteuer-Mehreinnahmen, als Fördermittel für die E-Mobilität. Genialer Schachzug. Müller hat nicht die Orientierung verloren, er will uns alle für dumm verkaufen.