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| 13:23 Uhr

Verband fordert Digitalisierung
Baubetrieben der Lausitz fehlt das starke Netz

Das Geld muss unbürokratisch in den Graben, fordert der Bauindustrieverband. Die konsequente Digitalisierung durch den Breitbandausbau und eine moderne Verwaltung werden als Motor für den Strukturwandel nach der Kohle gebraucht.
Das Geld muss unbürokratisch in den Graben, fordert der Bauindustrieverband. Die konsequente Digitalisierung durch den Breitbandausbau und eine moderne Verwaltung werden als Motor für den Strukturwandel nach der Kohle gebraucht. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Cottbus. Sprudelnde Steuerquellen für die öffentliche Hand und die private Flucht ins Betongold infolge der Angst um den stabilen Euro bescheren der Lausitzer Bauwirtschaft derzeit zwar volle Auftragsbücher. Aber die Angst vor der Zukunft ist in der Branche groß. Von Kathleen Weser

Etwa 80 Prozent der Baubetriebe sind in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz vom aktiven und Sanierungsbergbau abhängig. Dabei ist das für den Klimaschutz politisch verordnete Ende der Braunkohleverstromung in Deutschland noch weniger die Sorge der Bauunternehmen als die Ungewissheit über den Zeitpunkt des Ausstiegs. Dr. Robert Momberg, der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrieverbände Berlin – Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt, fordert vom Bund endlich eine klare Antwort dazu ein.

Mit etwa 25 000 gibt der promovierte Volkswirt die Zahl der Jobs an, die in der länderübergreifenden Lausitz direkt und indirekt von der Kohle abhängen. „Die Bauunternehmer müssen sich kümmern können. Nur sie sind für den Erfolg ihrer Betriebe und die Mitarbeiter verantwortlich. Die politische Hängepartie dauert zu lange“, erklärt Momberg. Ein Datum müsse her. Und ein Masterplan für die Region. „Es gibt viele gute Ideen. Aber sie kommen nicht zusammen“, stellt er fest.

Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrieverbände Berlin-Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt.
Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrieverbände Berlin-Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt. FOTO: Stine Photography

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) ans Steuerrad des Strukturwandels in der Lausitz zu stellen, wie vom sächsischen Ministerpräsidenten ins Gespräch gebracht, hält der Chef der Bau-Verbände allerdings für grundverkehrt. Der Staatsbetrieb mache mit vielen Steuermillionen zweifellos einen guten Job im Sanierungsgeschäft. Für das Leben nach der Kohle aber müsse die Lausitz „aus sich heraus“ wirtschaftlich breit aufgestellt werden. „Viele kleine und mittelständische Betriebe müssen in die Lage versetzt werden, gut zu sein“, betont er. Gefordert sei hier die Politik, den Rest habe der Markt zu regeln.

Der Bauindustrieverband vermisst den politischen Willen, die Digitalisierung in der Region als Motor für die Zukunft wirklich voranzutreiben. Der Ausbau einer starken Breitbandverorgung und von Funkanschlüssen lasse zu wünschen übrig. Laptop und Tablet sind Werkzeug auf den Baustellen. Die digitale Disposition von Beschäftigten, Gerätschaften und Material gehört hier zum Arbeitsalltag. Auch in kleinen Unternehmen. Die Baumaschinen werden digital erfasst, die Logistik damit optimiert – so die schlechte Mobilfunkabdeckung in vielen Regionen Brandenburgs dies nicht verhindert. „Es gibt immer wieder Probleme, große Daten wie Pläne und Fotos von der Baustelle zu senden“, bestätigt Robert Momberg. Zudem bewegten öffentliche Auftraggeber lieber Papier, statt die Vorteile von digital erfassten Daten und Visualsierungen per Computer zu nutzen. „Mit datenbankgestützten Verknüpfungen von geometrischen, baustofflichen, wirtschaftlichen und sonstigen technischen Daten können Planungsfehler vermieden werden. Änderungen sind für alle Beteiligten sofort verfügbar. Gerade im öffentlichen Bau“, wirbt Momberg für computerbasierte Programme wie Building Information Modeling (BIM), die beispielsweise der Baukonzern Züblin nutze. Doch Schnittstellen in die Amtsstuben fehlen, vergabe- und vertragsrechtliche Fragen sind ungeklärt. „Deutschland ist träge, was die digitale Verwaltung betrifft. Das bremst bei uns Ressourcen. Die skandinavischen Länder und die kleine Schweiz sind uns da weit voraus“, stellt der Volkswirt fest. Dabei sei es auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des damit einhergehenden Mangels an Fachkräften „jetzt klug, mit weniger Leuten mehr zu bewegen“. Und das könne im Wettbewerb der Regionen auch eine große Chance für die Lausitz sein – so Bund und Länder das Thema endlich richtig anpackten.

„Geld allein reicht nicht. Es muss durch den Flaschenhals der Bürokratie“, sagt Robert Momberg. Und der ist eng und teilweise verstopft. Mehrere Lausitzer Landkreise greifen derzeit zwar erfolgreich in die Fördertöpfe des Bundes, um weiße Flecken in der Internetversorgung im ländlichen Raum zu schließen. Doch der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes kommt nicht voran. Denn in den europaweiten Ausschreibungen, mit denen erst einmal eine Grundversorgung realisiert werden soll, werden vielfach weder Ausbaufirmen noch Betreiber gefunden. Die Übertragungsraten sind für Unternehmen, auch der Baubranche, oft viel zu gering.

Die Unternehmen der Baubranche haben derzeit volle Auftragsbücher, stehen aber vor einer ungewissen Zukunft.
Die Unternehmen der Baubranche haben derzeit volle Auftragsbücher, stehen aber vor einer ungewissen Zukunft. FOTO: dpa / Uli Deck