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| 19:28 Uhr

Lesermeinung
Justiz hat sich schuldig gemacht

Meinung Schwerer Kindesmissbrauch

Zu „Mutter verkauft eigenen Sohn im Internet für Sex“ (LR, 15. Januar): Als Leser und Polizeibeamter (im Ruhestand) frage ich mich, was muss noch alles passieren, damit man ein Kind aus solch Verhältnissen nehmen darf. In meiner früheren Tätigkeit hörte ich viele Jugendamtsmitarbeiter, die mir zu erklären versuchten, dass die schlechteste Mutter besser für das Kind sei als eine Heimunterbringung oder Pflegeeltern. (...) Nach dem Bericht der LR scheinen ja alle (Polizei, Justiz und Jugendamt) von den Missständen gewusst zu haben. Man fragt sich, ob jeder die Augen davor verschlossen hat. Die Polizei kann nichts weiter tun, als solche Straftaten, die sogar ein Verbrechen und kein Vergehen mehr darstellen, aufzudecken. Die Verfolgung obliegt nach Feststellung der Justiz, die offenbar mal wieder blind war oder auch taub, weil sie, wie leider so oft, nicht zuhörte. Aber warum das Jugendamt ebenfalls „geschlafen“ hat, obwohl man davon wusste, ergibt für mich keinen Sinn. Sicher erklären die Jugendämter, zu wenig Personal zu haben, um sich um alle Fälle kümmern zu können, und hier besteht auch dringend Personalbedarf. Aber wenn zwei Jahre lang schon bekannt ist, was mit dem Kind passiert und dass es bei einem vorbestraften Sexualstraftäter wohnt, dann fällt mir dazu ehrlich gesagt nichts mehr ein. Vielleicht sollte hier auch einmal gegen die Justiz ermittelt werden, wenn diese Kenntnis hatte und dennoch untätig blieb. Für mich ist das ganz klar Strafvereitelung im Amt.

Ralf Bees
Burg