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Kritik an Projekt nicht verstummt
Fabrikhalle soll Jugendzentrum werden

Dieses Bild bot die Furnierhalle vor etwa eineinhalb Jahren in ihrem Inneren. Jetzt soll sie zum Soziokulturellen Zentrum umgebaut werden.
Dieses Bild bot die Furnierhalle vor etwa eineinhalb Jahren in ihrem Inneren. Jetzt soll sie zum Soziokulturellen Zentrum umgebaut werden. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz. Der Görlitzer Stadtrat hat den Baubeschluss für die Einrichtung im früheren Waggonbau-Werk I gefasst. Die Kritik an dem Projekt ist nicht verstummt. Von Uwe Menschner

Der Görlitzer Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung den Baubeschluss für das neue Jugend- und Soziokulturelle Zentrum (so die offizielle Bezeichnung) gefasst. Damit hat er endgültig den Weg für das seit langem diskutierte Projekt freigemacht.

Das Zentrum soll in der Furnierhalle des früheren Waggonbau-Werkes I am Rande der Innenstadt entstehen. Der Beschlussvorschlag des Oberbürgermeisters Siegfried Deinege (parteilos) hatte noch den Vorbehalt enthalten, dass die anvisierten Fördermittel gewährt werden. Am Abend der Entscheidung konnte jedoch Baubürgermeister Michael Wieler (parteilos) mitteilen, dass „der Förderbescheid eingetroffen ist“. Und noch eine frohe Botschaft überbrachte er den Abgeordneten: „Wir müssen das Grundstück nicht kaufen, sondern können es im Zuge eines Tauschgeschäfts mit der KommWohnen GmbH erwerben.“

Trotz dieser positiven Neuigkeiten zeigte sich wiederum, was in den zurückliegenden Jahren immer wieder deutlich geworden war: Das Zentrum ist in den Reihen der Stadträte umstritten. In der Diskussion traten noch einmal wie unter einem Brennglas die Pro- und Contra-Argumente zu Tage, obwohl die Grundsatzbeschlüsse bereits zuvor gefasst worden waren.

Oberbürgermeister Siegfried Deinege erinnerte noch einmal an die Anfänge der Projektidee vor etwa sechs Jahren: „Das Ansinnen war es damals, der demografischen Entwicklung entgegenzutreten und den jungen Leuten einen weiteren Grund zu bieten, in Görlitz zu bleiben.“ In dieser Zeit habe sich das Projekt ständig weiterentwickelt. Standorte seien gesucht, gefunden und wieder verworfen worden, bis sich letztlich die Furnierhalle als Vorzugsvariante herauskristallisierte.

Um eine Beteiligung des künftigen Trägers an den Planungen sicherstellen zu können, habe man diesen frühzeitig ausgeschrieben und den Zuschlag an den Verein Second Attempt erteilt. Gleichwohl machte der OB deutlich: „Wir bauen nicht nur für den freien Träger oder für eine bestimmte Altersgruppe, sondern für die gesamte Stadt.“

Ein Blick in die nähere Umgebung zeige, dass Görlitz die einzige große Stadt ohne soziokulturelles Zentrum sei. Und unter ausdrücklicher Erwähnung von Hoyerswerda und dem Neubau des dortigen Zentrums erklärte Deinege: „Wir bauen billiger und für mehr Menschen.“

Thorsten Ahrens (Die Linke) verwies darauf, dass „trotz der langen verstrichenen Zeit und der vielen Änderungen der Spirit der Initiatoren erhalten geblieben ist“ Zwar hätte ein Teil der Jugendlichen, die vor sechs Jahren dazu gezählt hatten, Görlitz mittlerweile verlassen: „Doch es sind ebenso viele Neue nachgewachsen.“

Joachim Schulze (Bündnis 90/Die Grünen) warnte davor, das neue Zentrum gegen vorhandene Angebote wie das Kühlhaus, das Basta! oder die Ca-Tee-Drale auszuspielen: „Diese Versuche sind nicht glaubwürdig, sondern ein Missbrauch des Themas für politische Spielchen.“ Und Octavian Ursu (CDU) mahnte unter Bezug auf die bevorstehenden Umbrüche in der Görlitzer Industrie: „Gerade in der jetzigen Situation dürfen wir die Stadt nicht aufgeben, sondern müssen sie weiter entwickeln.“

Doch auch die Kritiker nutzten noch einmal die Möglichkeit, ihre Argumente vorzutragen. Renate Schwarze (SPD) bezweifelte den Bedarf „einer weiteren Versammlungsstätte für 300 Personen“ und verwies auf die hohen Folgekosten von 140 000 Euro pro Jahr. Thomas Leder (CDU) bezeichnete das Vorhaben als „Verschwendung“ und als längst von der Zeit überholtes „Wahlkampfprojekt des Oberbürgermeisters“. Darunter zu leiden hätten die anderen und bereits vorhandenen Initiativen. Zudem sei bis heute keine seriöse Bedarfsermittlung vorgelegt worden. Der Beschluss wurde letztlich mit 21 zu acht Stimmen bei drei Enthaltungen gefasst.