| 18:07 Uhr

Ärger um doppelte Straßennamen
Ewig grüßt der Zwillingsstraßen-Streit

In Sedlitz führt die Schulstraße einmal quer durch den Ort und kreuzt die Bahnhofstraße. Die wiederum gibt es auch im Zentrum und in Hosena.
In Sedlitz führt die Schulstraße einmal quer durch den Ort und kreuzt die Bahnhofstraße. Die wiederum gibt es auch im Zentrum und in Hosena. FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg . Senftenbergs Bürgermeister will Namensdoppelungen abschaffen. Doch die Meinung dazu ist gespalten - schon seit Jahren.

Zwilling-, Drillings- und sogar Vierlingsstraßen in Senftenberg und den Ortsteilen sollen endlich ein Ende haben. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) unternimmt einen neuen Versuch, um Namensdoppelungen und Mehrfachbenennungen abzuschaffen. Grund der Namensdopplungen sind die Eingemeindungen der Orte Brieske, Großkoschen, Hosena, Niemtsch, Peickwitz und Sedlitz. „Dies führt zu Problemen bei ortsunkundigen Personen sowie bei Lieferanten und Adressaten von Lieferungen, bei Post- und Paketzustellern“, begründet das Stadtoberhaupt. Die Thematik habe sich mit fortschreitender Digitalisierung in den letzten Jahren mehr verstärkt als entspannt und werde aufgrund der weiteren technischen Entwicklung aktuell bleiben. Betroffen sind derzeit noch 39 Straßen und Wege.

Als Befürworterin der Umbenennung bekennt sich Doris Buttenstedt deutlich. Die Assistentin der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) in Senftenberg kämpft ihres Berufes wegen fast täglich mit dem Problem. Wichtige Briefe, die an die Geschäftsstelle in der Schulstraße adressiert sind, kommen oft erst mit Verspätung an, sagt sie. Denn die Schulstraße gibt es gleich viermal: im Zentrum, in Brieske, in Sedlitz und in Großkoschen. Verirrte Besucher oder Prüflinge, die sich mit ihrem Navigationsgerät im Auto auf richtigem Weg wähnen, dann aber in Brieske landen, müsse sie nicht selten per Telefon lotsen.

Agnes Stefanczyk aus der Sedlitzer Schulstraße hat auch schon öfter Probleme gehabt. „Briefe der Versicherung oder andere wichtige Schreiben kamen nicht an, weil der Ortsteil in der Adresse nicht übernommen wird“, sagt sie. Manchmal sei die Post auch mehrere Wochen unterwegs. „Wir wohnen hier noch nicht so lange, weshalb wir kein Problem damit hätten, wenn die Straße umbenannt wird“, erklärt sie.

Die Schulstraße in Brieske neben der Grundschule. Im Hintergrund die evangelische Martin-Luther-Kirche Marga.
Die Schulstraße in Brieske neben der Grundschule. Im Hintergrund die evangelische Martin-Luther-Kirche Marga. FOTO: Josephine Japke / LR

Alexander Schmidt aus der Schulstraße in Senftenberg wohnt indes schon seit  17 Jahren in der Schulstraße im Zentrum und hatte bisher noch keine Probleme bei der Postzustellung. „Bis jetzt kam jeder Brief und jedes Paket an. Ich bin gegen eine Umbenennung der Straße, weil ich erstens keine Probleme sehe und ich zweitens keine Lust auf die Behördengänge habe“, sagt er.

Die Schulstraße im Senftenberger Zentrum beginnt an der Briesker Straße gegenüber vom Pitstop.
Die Schulstraße im Senftenberger Zentrum beginnt an der Briesker Straße gegenüber vom Pitstop. FOTO: Josephine Japke / LR

Anders als etwa in Lauchhammer und Großräschen, die ihre Namensdoppelungen beseitigt haben, wird das Streit-Thema in Senftenberg weiter diskutiert. Es drängt zwar immer mal wieder bis zur Ratsrunde vor, um dann aber in der Schublade zu verschwinden. Auch jetzt deutet sich diese Tendenz an. Im Finanzausschuss am Dienstagabend fiel die eingebrachte Vorlage sang- und klanglos durch. Das Ergebnis: keine einzige Ja-Stimme, vier Gegenstimmen, drei Enthaltungen. Doch sind die Gründe für dieses Votum verschieden.

Die einen bleiben auch bei diesem Anlauf ihrer Meinung, dass eine Umbenennung nicht notwendig sei, weil es keine Probleme oder Beschwerden mehr gebe. Das erklärt zum Beispiel Christina Nicklisch (UWS), die von allen Ortsbeiräten gesagt bekommen habe, dass sie den Vorschlag ablehnen. Auch Rolf-Peter Rössiger (SPD) hält es für „Quatsch“. Eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen, sei indes richtig. Die Änderung von Straßennamen sei mit Aufwendungen verbunden. „Es ist eine Maßnahme, die die Bürger betrifft und mit Finanzen verbunden ist“, begründet er.

Für andere ist der jetzige Schritt ohnehin überflüssig. Denn mit dem nun eingebrachten Beschlussvorschlag soll der Bürgermeister beauftragen werden, wiederum eine Beschlussvorlage einzubringen, um Namensdoppelungen und Mehrfachbenennungen von Straßen zu beseitigen. Für Kerstin Weidner (Agsus) ist das reines Verwaltungshandeln und auch ohne Beschluss umsetzbar. Auch die sachkundige Einwohnerin Petra Demuth sieht das so.

Auch in Großkoschen gibt es eine Schulstraße. Sie beginnt am Dorfplatz und endet an der Bundesstraße.
Auch in Großkoschen gibt es eine Schulstraße. Sie beginnt am Dorfplatz und endet an der Bundesstraße. FOTO: Josephine Japke / LR

Die Beauftragung des Bürgermeisters soll erfolgen, da die Öffentlichkeit in die beabsichtigte Namensgebung einzubeziehen ist und das Thema der eigenen Anschrift „vorrangig zu einer emotionalen Auseinandersetzung bei den betroffenen Anwohnern führt“, begründet Andreas Fredrich. „Über die Beauftragung soll sichergestellt werden, dass sich unmittelbar im Ergebnis an den Beteiligungsprozess die erforderliche Beschlussfassung anschließt, um den von Umbenennung Betroffenen Klarheit und Rechtssicherheit zu geben.“ Die entscheidene Abstimmung erfolgt bei der Stadtverordnetenversammlung am 5. Dezember.