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| 19:45 Uhr

Was betrunkenen Radfahrern blüht
Strafrichter und Idiotentest drohen Fahrradfahrern „unter Strom“

Wer aufs Rad steigt, sollte nicht mehr als 1,6 Promille intus haben. Ansonsten kann das dem Pedalritter ziemlich teuer zu stehen kommen.
Wer aufs Rad steigt, sollte nicht mehr als 1,6 Promille intus haben. Ansonsten kann das dem Pedalritter ziemlich teuer zu stehen kommen. FOTO: fotolia (© SVLuma)
Senftenberg. Folgen einer Rausch-Fahrt werden häufig unterschätzt. Im schlimmsten Fall droht der Führerschein-Entzug. Am Senftenberger Amtsgericht hat die Radler-Saison wieder begonnen.

Drei Radler in der Woche. Das ist die Quote in diesen Tagen am Senftenberger Amtsgericht. Tendenz steigend, wie Strafrichter Harald Rehbein einräumt. Denn rund um den Männertag gönnen sich Radfahrer erfahrungsgemäß gern den einen oder anderen Schluck mehr und geraten noch häufiger ins Visier der Ordnungshüter. Genau 106 Radfahrer wurden allein im Vorjahr zwischen Ortrand und Lübbenau wegen Trunkenheit im Verkehr von der Polizei angezeigt.

Blau in die Pedalen treten – das hat Folgen. Dass diese noch immer häufig von den Pedalrittern unterschätzt werden, erlebt Strafrichter Rehbein ziemlich regelmäßig im Gerichtssaal. Er hat schon einige Leute auf der Anklagebank in Tränen ausbrechen sehen. Nicht, weil sein Urteil ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Denn Strafverfahren in dieser Sache werden nicht selten eingestellt unter Auflage einer Geldstrafe oder dem Ableisten gemeinnütziger Arbeit – vorausgesetzt der Promille-Radler wurde erstmals erwischt.

Was für die Angeklagten oftmals viel schwerer als das Gerichtsurteil wiegt und ihnen die Tränen in die Augen treibt, ist der Brief, den sie schon vor der Gerichtsverhandlung von der Kfz-Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde in Calau zugestellt bekommen. „Das Straßenverkehrsamt ist oft sogar schneller als wir im beschleunigten Verfahren“, bestätigt Harald Rehbein die gängige Praxis.

Wer sich mit 1,6 Promille oder mehr in den Sattel schwingt und zudem Inhaber einer gültigen Fahr­erlaubnis ist, bei dem wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), im Volksmund als Idiotentest gefürchtet, angeordnet. Die Fahrerlaubnisbehörde des Landkreises OSL hat im vergangenen Jahr 28 Mal eine MPU angeordnet. Das bestätigt Hauptsachbearbeiter Kai-Uwe Christiansen. Promille-Radlern wird dafür in der Regel ein Zeitraum von drei Monaten eingeräumt. „Liegt nach Ablauf dieses Zeitraums kein positives Gutachten vor, darf die Fahrerlaubnisbehörde von der Ungeeignetheit des Betroffenen ausgehen und die Fahrerlaubnis entziehen“, erklärt Christiansen dazu. Und der Fachmann aus der Behörde räumt auch ein, dass „in der überwiegenden Anzahl der Fälle die MPU beim ersten Mal nicht bestanden wird“.

Einer, der das alles schon erlebt hat, ist Micha B. aus Schwarzheide. Der 32-jährige Fliesenleger hat 2,26 Promille „getankt“, als er am 6. Februar auf der Naundorfer Straße kurz vor Mitternacht von der Polizei kontrolliert wird. Mit Freunden hat er auf die fertige Baustelle angestoßen – mit ein paar Bierchen und höchstens zwei Schnäpsen. Ins Visier der Ordnungshüter gerät er des Nachts auf der Straße nur, weil sein Rücklicht defekt ist. Mit seinem Alkoholpegel handelt er sich an Ort und Stelle eine Strafanzeige ein und bekommt den Termin für das beschleunigte Verfahren am Amtsgericht Senftenberg gleich mit übergeben. Bei der Verhandlung am Montagmorgen im großen Saal des Amtsgerichts zeigt sich der junge Mann geständig vor Strafrichter Harald Rehbein. „Es war ein dummer Fehler. Ich hätte ein Taxi rufen müssen“, räumt er reumütig ein. Geständig, aber einschlägig vorbestraft, wird er wegen Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verurteilt. Angst vor einem Brief des Straßenverkehrsamtes muss Micha B. indes nicht mehr haben. Der gefürchtete Idiotentest war bei ihm schon bei einem früheren Verfahren angeordnet worden. „Dafür fehlt mir das Geld“, sagt er vor dem Strafrichter aus. Damit bleibt sein Rad für ihn vorerst das einzige Fortbewegungsmittel.