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| 17:00 Uhr

Ich kaufe regional
Kann ich bei Ihnen auch mit Karte zahlen?

Bei Augenoptik Piontek reicht Inhaberin Antje Piontek des Öftern das EC-Kartenlesegerät über die Theke. Die meisten ihrer Kunden bevorzugen das Plastikgeld. Foto: Stephan Meyer
Bei Augenoptik Piontek reicht Inhaberin Antje Piontek des Öftern das EC-Kartenlesegerät über die Theke. Die meisten ihrer Kunden bevorzugen das Plastikgeld. Foto: Stephan Meyer FOTO: LR / Stephan Meyer
Gehört Bargeld bald der Vergangenheit an? Die RUNDSCHAU hat sich bei Spreewälder Händlern erkundigt, wie ihre Kunden bezahlen. Von Stephan Meyer

Nur noch zehn Euro in der Tasche? Reicht das Geld noch für den Supermarkteinkauf oder das Souvenir im Geschenkeshop? Ist der Bargeldbestand im Portemonnaie nicht mehr ausreichend, gibt es für solche Notfälle EC- und Kreditkarten. Sie sind längst nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Doch was bevorzugen die Händler? Ist bargeldloses Bezahlen mittlerweile selbstverständlich? Und was sagen Spreewälder Händler zu neuen Zahlungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel mittels einer Smartphone-App? Die RUNDSCHAU hat sich umgehört.

Welche Art der Bezahlung bei Händlern favorisiert werde, sei sehr branchenabhängig, sagt Angela Glaubitz, Vorstandsvorsitzende der Interessengemeinschaft Altstadt-Lübbenau (IGEA). In ihrem Souvenir- und Spielwarenladen werden hauptsächlich kleinere, niedrigpreisige Artikel verkauft. „Da ist hauptsächlich Bargeld unterwegs“, erklärt sie. Sie könne nur für ihren Laden sprechen, aber sie vertritt die Ansicht, dass für die Händler das Bargeschäft das bessere sei.

Befürchtungen vor schwarzen Schafen unter den Kunden habe sie nicht. Sie akzeptiert jede Bank-
note. „500 Euro-Scheine sind ja so gut wie gar nicht mehr im Umlauf, und außerdem habe ich mein Prüfgerät.“ An manchen Tagen habe sie keine einzige Kartenzahlung im Laden, an anderen bis zu zehn. „Der Trend geht aber eindeutig zur Karte.“ Immer häufiger zücken Kunden das Plastikgeld und zahlen mit Giro- oder Kreditkarte. „Leider Gottes auch kleinere Beträge“, so Angela Glaubitz. „Wenn sich der Trend aber fortsetzt, muss die Kartenzahlung händlerfreundlicher gestaltet werden“, sagt sie. Sie akzeptiert in ihrem Geschäft Kartenzahlung erst ab einem Warenwert von zehn Euro. Der Grund dafür liegt in den Gebühren. Für jeden Umsatz mit der EC-Karte fallen Prozente an, sowie eine Gebühr für die Transaktion. Dazu kommt noch die Miete für das Terminal-Gerät. Bei einer Kreditkartenzahlung sind die Prozente sogar noch höher. Zwar fallen auch Gebühren an, wenn sie bei ihrer Bank Bargeld einzahlt, doch vier bis fünf Einzahlungen im Monat seien gebührenfrei. „Wenn ich keine Einbußen habe, ist es mir egal wie die Kunden bezahlen.“

Auch wenn sie Bargeld favorisiert, auf Kartenzahlungen zu verzichten kommt für sie nicht infrage. „Das gehört zum heutigen Geschäftsgebaren einfach dazu“, erklärt sie. Gerade bei größeren Summen. Wenn sie selber Kundin ist, zum Beispiel beim Besuch einer Gaststätte, ärgert sie sich, wenn keine Kartenzahlung angeboten wird. Denn nicht jeder habe immer 50 bis 100 Euro im Portemonnaie.

Zwar werde immer häufiger bargeldlos gezahlt, doch sie könne sich nicht vorstellen in naher Zukunft drei Brötchen beim Bäcker mit Karte zu zahlen. Bezahl-Apps fürs Smartphone steht sie skeptisch gegenüber. „Ich denke, das ist ein Generationenproblem, aber ohne Apps geht es ja heutzutage nicht mehr.“ Doch da überwiegen ihre Sicherheitsbedenken.

Brillen gibt es bei Augenoptik Pion-
tek
in Lübben ab 80 Euro aufwärts. Ein Betrag bei dem Kunden eher die Karte zücken? Falsch gedacht. „Bargeld spielt auch bei uns nach wie vor eine Rolle“, erklärt Inhaberin Antje Piontek. Vor allem ältere Personen würden häufig bar zahlen. Die Augenoptikermeisterin vermutet, dass sie sich schwer mit der Technik tun. „Wenn ich da an meine eigene Großmutter denke, die ist 96. Sie kommt aus einer Generation, da gab es nur Bargeld oder Scheck.“

Trotzdem wird auch in ihrem Laden öfter mit Karte gezahlt. „60 Prozent der Kunden zahlen mit EC-Karte, 30 Prozent bar, und zehn Prozent nehmen eine Finanzierung in Anspruch“, verrät sie. Einen Favoriten unter den Bezahlvarianten hat sie nicht. Auch vor großen Banknoten kennt die Inhaberin keine Scheu. „Wir gucken schon genau hin und verlassen uns auf unser Prüfgerät. Wenn aber jemand ein Kontaktlinsenpflegemittel im Wert von zehn Euro mit einem Fünfhunderter bezahlen will, dann kommt mir das schon spanisch vor.“ Bargeldlos mit einem Smartphone die neue Brille zu bezahlen hält sie hingegen für Zukunftsmusik. „Das dauert noch, bis sich das durchsetzt“, vermutet Antje Piontek. „Und dann vermutlich eher bei jüngeren Käufern.“ Ihre Kundschaft ist meist jedoch 45 und älter.

Am häufigsten bezahlen Anke Müllers Kunden mit der EC-Karte. Die Inhaberin des Sportartikelgeschäfts Intersport-Spreewald-Müller in Lübbenau hat wenig Bargeld in ihrer Kasse. Das sei vor allem an Tagen so, an denen ihr Geschäft stark von Touristen frequentiert wird. „Dann ist das Verhältnis Dreiviertel Karten- zu einem Viertel Bargeldzahlung.“ Dabei spiele die Höhe des Warenwerts bei der Entscheidung der Kunden, ob sie bar oder mit Karte zahlen wollen, keine große Rolle. „Die Kunden zahlen auch 24,99 Euro mit Karte“, sagt die Lübbenauerin. „Die haben vielleicht 50 Euro einstecken, aber sagen sich, das Geld brauche ich nachher für eine Kahnfahrt oder einen Besuch in der Gaststätte.“ Gerade in der Gastronomie werde nicht immer die Möglichkeit angeboten, mit Kredit- oder EC-Karte zahlen zu können.

Einen Mindestbetrag für die Kartenzahlung hat das Sportgeschäft nicht festgelegt. „Wir freuen uns schon, wenn der Rechnungsbetrag höher als fünf Euro ist, aber wir wollen, aus Freundlichkeit unseren Kunden gegenüber, die Kartenzahlung nicht limitieren.“ Sie selbst favorisiere, genau wie ihre Kunden, das Plastikgeld. „Ich muss dann nicht so viel Bargeld zur Bank bringen“, erklärt sie. Das spare Zeit und sei sicherer.

Noch hat kein Kunde bei Anke Müller nachgefragt, ob er denn auch per App zahlen könnte. Doch für utopisch hält die Inhaberin das nicht. Gerade bei jüngeren Kunden sieht sie Potential für die Bezahlmöglichkeit. Wenn das alles handhabbar und sicher ist, hält sie es für nicht ausgeschlossen, dass sich Pay-per-App auch im Spreewald durchgesetzt.

Das SKL Elektro & Küchenland sei Ende der Neunziger eines der ersten Geschäfte in Lübben gewesen, dass EC-Kartenzahlung angeboten hat, erinnert sich Geschäftsführer Danny Sklomeit. Im Ladengeschäft trete Bargeld immer mehr in den Hintergrund. Wie die Kunden bezahlen, ist ihm eigentlich egal. „Hier und da läuft eine Küche oder ein großes Haushaltsgerät über eine Finanzierung“, erklärt er. „Das ist aber bloß ein kleiner Prozentteil. In dem Fachgeschäft wird eher mit Plastikgeld bezahlt. Kreditkarten lehne er aber ab. „Bei der EC-Karte fallen Gebühren von drei bis vier Prozent an — die tragen wir“, sagt Danny Sklomeit. Die Gebühren für die Kreditkarte sind ihm hingegen zu hoch.

Sklomeit kann sich noch an Zeiten erinnern, als er größere Summen zur Bank bringen musste. Die sind nun endgültig vorbei. „Ich bin da nicht böse drüber, wenn nicht bar gezahlt wird“, erklärt er. So müsse der Kunde kein ungutes Gefühl haben mit einem hohen Betrag in der Tasche durch die Stadt zu laufen und er ebenfalls nicht. Sollte es in Zukunft weitere Möglichkeiten des bargeldlosen Bezahlens geben, möchte er sich nicht dagegen verwehren. „Aber es muss sicher sein.“