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| 14:20 Uhr

Innerstädtischer Brennpunkt
Friedhof wird zur Fußgängerzone

Einer von fünf Zugängen zum Vetschauer Friedhof. Anwohner beklagen den dadurch entstehenden starken Durchgangsverkehr.
Einer von fünf Zugängen zum Vetschauer Friedhof. Anwohner beklagen den dadurch entstehenden starken Durchgangsverkehr. FOTO: Kuschy / LR
Vetschau. Vetschauer Anwohner beklagen Ruhestörung und Müll von Bürgern. Stadt will reagieren. Von Rüdiger Hofmann

Seit mehr als zwei Jahren beobachtet Ilse Hartmann aus Vetschau den zunehmenden Durchgangsverkehr auf dem innerstädtischen Friedhof, der eingebettet von Wilhelm-Pieck-Straße, Straße des Friedens und Straße der Einheit liegt. „Ich sehe immer häufiger Leute mit Hunden oder Kinderwagen, spielende Schulkinder, sogar Radfahrer, die nicht absteigen. Sie missbrauchen allesamt den Friedhof als Durchgangsmeile, um zum Bahnhof oder in die Neustadt zu gelangen“, sagt die Anwohnerin empört. Besonders auf der Grünen Wiese mit Stein werde Unrat hinterlassen. „Tempotaschentücher und Zigaretten liegen herum. Aktuell wurden auch noch zwei Steine umgekippt“, sagt Hartmann. Selbst abends werde die Totenruhe gestört, wenn Radfahrer auf dem Gelände nicht absteigen, um möglichst Zeit zu sparen. „Dass wir fünf Zugänge zum Friedhof haben, ist nicht normal“, so die Anwohnerin.

„Die Probleme sind bekannt und in den letzten Jahren unregelmäßig immer mal wieder in unterschiedlicher Intensität und Dauer aufgetreten“, sagt Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). In der Vergangenheit habe es verschiedene Maßnahmen gegeben, die aber kaum durchschlagenden und keinen dauerhaften Erfolg hatten, so die Stadtspitze. Aufgestellt wurden Hinweisschilder „Kein Durchgangsverkehr!“ Ein Verbindungsweg wurde geschlossen, nach heftigem Protest und einer Beschlussfassung durch die Stadtverordnetenversammlung allerdings wieder geöffnet. Unregelmäßige Kontrollen durch Mitarbeiter vom Ordnungs- und Friedhofsamt sowie dem Bauhof brachten nicht das gewünschte Ergebnis.

„Künftig wird mit zusätzlicher Beschilderung auf die Einhaltung der Friedhofsordnung hingewiesen“, sagt Kanzler. Zudem soll auf die Ahndung von festgestellten Ordnungswidrigkeiten verwiesen werden. Die Polizei wird sensibilisiert und zumindest sporadische Präsenz am und auf dem Friedhof zeigen. „Es wird verstärkt an die Bürger und Migranten appelliert, sich rechtskonform zu verhalten und den Friedhof als Ort der Stille, Trauerbewältigung und Erinnerung zu respektieren. Das dürfte man im übrigen von jedem unaufgefordert erwarten dürfen“, sagt der Bürgermeister. Auch werde die Stadt unangekündigte Kontrollen durch Mitarbeiter vom Ordnungsamt, Friedhofsamt und Bauhof vornehmen.

Auf die Frage, ob es wirklich fünf Zugänge braucht, sagt Kanzler: „Wohl eher nicht. Das wird aber im Rahmen der aktuell zu erstellenden Friedhofskonzeption geprüft.“ Mittel- und langfristig seien Drehtüren (mit Zeitschaltuhr) an den Nebenzugängen denkbar. Die relevanten Zugänge an der Wilhelm-Pieck-Straße sowie der Straße des Friedens seien für die Bürger bedeutsam. „Eine Schließung würde die Nutzung des Friedhofs an sich deutlich erschweren“, sagt das Stadtoberhaupt. Der vor Jahren unternommene Versuch, den nördlichen Zugang an der Straße des Friedens zu schließen, stieß auf erheblichen Widerstand. Ergebnis: der Zugang blieb offen.

Ilse Hartmann hofft künftig wieder mehr auf die Vernunft der Bürger, den Ort als das zu nutzen, was er auch ist: Ein Ort der Stille und der Trauerbewältigung. Auch sie wird ihn weiterhin aufsuchen, wenn sie in regelmäßigen Abständen ihren Mann besucht.