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| 16:28 Uhr

Kulturhistorische Spielfuguren
Eine kleine Welt fast nur aus Zinn

Zinnfiguren-Erschafferin Gabriella Donner und Museumschef Stefan Heinz mit einem der Ausstellungsstücke, einer Venedig-Szene.
Zinnfiguren-Erschafferin Gabriella Donner und Museumschef Stefan Heinz mit einem der Ausstellungsstücke, einer Venedig-Szene. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Gabriella Donner zeigt im Lübbenauer Spreewaldmuseum einen Teil ihres Lebenswerks. Von Daniel Preikschat

Man muss schon etwas näher hinsehen bei dieser am Donnerstag eröffneten Sonderausstellung in der dritten Etage des Lübbenauer Spreewaldmuseums. Doch dann sieht man ungeheuer viel. Mehr als 60 Guckkastenbühnen hat Gabriella Donner aus Lebusa im Elbe-Elster-Land in die 17 Glasvitrinen gestellt. Teils historische, teils märchenhafte Szenerien sind dreidimensional en minature dargestellt. Und immer tummeln sich hier viele kleine bunte Zinnfigürchen, tanzen, bauen oder schlagen ein Lager auf, nehmen die Schlachtordnung ein, fahren Schlitten oder gehen auf Safari.

Zweifellos am häufigsten erspähen werden Besucher der Austelllung mit dem Namen „Friedrich, August und der gestiefelte Kater – die Welt in Zinn gegossen“ Friedrich den Großen. Ihn hat Gabriela Donner gern, ihn findet sie sympathisch, ihn hat sie daher schon so oft in Zinn gegossen wie noch keine andere Figur. „Er hat viel für sein Volk getan und alle bedacht, auch seine Bediensteten“, erzählt die Zinngießerin. Zugleich habe er es schwer gehabt, musste einen herrschsüchtigen Vater ertragen und hatte an seinem Lebensende kaum noch jemanden, der zu ihm hielt. Eine ergreifende kleine Szene zeigt denn auch den König kurz vor seinem Tod. Nur noch der Leibarzt und zwei Bedienstete stehen ihm bei.

Seit 40 Jahren nun schon erschafft die Vorsitzende des Vereins der Freunde von Zinnfiguren Berlin-Brandenburg und Betreiberin des Zinnstübchens in Lebusa ihre „kulturhistorischen Figuren“. Sie habe keine Ahnung, wie viele es mittlerweile schon sind und wie groß die Fläche wäre, die man mit ihnen bedecken könnte. Gabriella Donner gießt ja längst nicht nur Menschen, auch Tiere, Pflanzen, Kronleuchter, kleine Häuschen und viele andere Gegenstände. Die Malereien, die ihre Geschöpfe einfassen und so Dioramen entstehen lassen, fertigt sie ebenfalls selbst an, die Landschaften und Architekturen. Wie viel Arbeit und wie viel Detailversessenheit dazu gehört, lässt sich nur erahnen.

So muss Gabriella Donner zunächst gute Vorlagen für ihre Figuren finden, erzählt sie, die sie dann skizziert, in Schieferplatten graviert, gießt und bemalt. Die Gussformen kommen nicht weg, sondern werden systematisch eingelagert. „Ich kann jede einzelne meiner Figuren noch mal gießen“, sagt sie.

Mit Geschichte und mit Märchen befasst sich die Lebuserin, die im Hauptberuf todkranke Menschen intensiv beatmet, sichtlich am liebsten. Ausstellungsbesucher schauen nicht nur auf zahlreiche Szenen aus dem Leben Friedrichs des Großen. Sie blicken auch in die Römerzeit, in Berliner Hinterhöfe oder auf eine Wir-sind-das-Volk-Demonstration kurz vor dem Mauerfall.

An Märchen wieder erkennen werden Ausstellungsbesucher unter anderem „Dornröschen“, „Die Goldene Gans“, den „Rattenfänger von Hameln“ oder den „Gestiefelten Kater“. Zum Beispiel diesen kecken, bunten Kater würden sich Freunde bunter Miniaturen wahrscheinlich gern ins Wohnzimmer stellen. Das ginge ja auch, wie Gabriella Donner sagt. Denn sie könne nicht nur jede ihrer meist 20 oder 30 Millimeter großen Figuren nachgießen. Sie ist auch bereit, sie zu verkaufen. Nur anmalen, müssten die Käufer ihre Kleinodien dann schon selbst.