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| 17:20 Uhr

Leichtathletik
Handicapläufer setzen sich gut in Szene

Rainer Schlachte zeigte eine beispiellose Energieleistung.
Rainer Schlachte zeigte eine beispiellose Energieleistung. FOTO: Manfred Grüneberg
Hoyerswerda. Nach den VBH-Europaläufen in Hoyerswerda stehen jetzt die Inklusionsläufer im Mittelpunkt. Von Manfred Grüneberg

Während über die glorreichen Siegerinnen und Sieger der 9. VBH-Europaläufe umfassend berichtet wurde, standen die verdienten großen und kleinen Helden der Inklusion bisher noch nicht im Fokus. Nach einem Vortrag zum Europatag fand in der vergangenen Woche die Auswertung der Inklusionslauftage bei den Lausitzer Werkstätten statt. Leuchtende Augen schauten erwartungsvoll auf das Endergebnis der vier Inklusionslauftage, die von der Lausitzer Seenland Stiftung unterstützt wurden. Nach drei intensiven Vorbereitungsläufen über 24 Minuten  brachte der Barmer-24min-Lausitzbad-Lauf und der Intersport-Mitternachtsmarathon die Entscheidung. 109 Teilnehmer, darunter 19 behinderte Sportler, sind insgesamt 434 Kilometer gelaufen.

Trotz ihrer Behinderungen konnten sich die Handicapläufer im gesamten Teilnehmerfeld bestens in Szene setzen. So schafften bei den Damen Katharina Nolde mit 7,3 km den sechsten Platz, Sieglinde Knoblich mit 7,0 km Platz sieben und Anne Kratschmar mit 6 km den elften Platz. Bei den Herren kam Christopher Hensel mit starken 16,8 km auf Platz drei.

Mit einer ganz besonderen Energieleistung siegten zwei behinderte Sportler des Lauftreff Lausitz bei der Inklusionswertung. Mit extrem unterschiedlichen Voraussetzungen hatten David Habeck und Rainer Schlachte um Mitternacht ihr diesjähriges Marathon-Projekt gestartet. Während Habeck die bisherige Saison wegen eines Fußbruchs im alten Jahr vollkommen verpasste und einige Kilogramms mehr auf die Waage brachte, glänzte Schlachte als fleißigster Teilnehmer am Vereinstraining. Bereits drei vergebliche Versuche, das Marathonziel zu erreichen, musste er in den vergangenen Jahren im 20-Kilometer-Bereich abbrechen. Mit einer bespiellosen Energieleistung konnte Rainer Schlachte am 10. Juni nach endlos langen 10:35 h seinen Traum verwirklichen.

Auch Lauftalent David Habeck hatte erwartungsgemäß bei seinem bereits 18. Marathon mit 8:42 h doppelt so viel Zeit auf der 42,195 km-Strecke verbracht wie gewöhnlich. Auch sein Verdienst liegt im Durchhaltevermögen.

Aber wenn es um die Spitze des Ausdauervermögens für Behindertensportler geht, führt seit dem 9. VBH-24h-Europalauf kein Weg an Harald Lange vorbei. Bereits bei seinem eindrucksvollen Bericht über den 30. Marathon des Sables (230 Kilometer durch die Sahara) beim Forum im Congress-Hotel wusste Lange zu begeistern. Was der stark sehbehinderte Sportler vom HSC Erfurt/Spiridon Frankfurt a. Main bei seinem Tag- und Nachtrennen in Hoyerswerda auf die Strecke zauberte, war ganz großer Sport. Mit 180,375 km schaffte Lange nicht nur unangefochten den Gesamt­sieg über 24 Stunden, sondern sicherte sich gleichzeitig damit die gewünschte Qualifikation für den „Spartathlon“ (246 km maximales Zeitlimit 36 h).