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| 18:07 Uhr

Waldbrand-Schutz
Rauch-Prüfung am Rechner

Birgit Weber (hinten), die Beigeordnete des Bautzener Landrats, lässt sich in der Leitstelle Hoyerswerda das neue Automatische Waldbrand-Früherkennungssystem (AWFS) erklären. Es ist für rund 523 000 Euro modernisiert worden.
Birgit Weber (hinten), die Beigeordnete des Bautzener Landrats, lässt sich in der Leitstelle Hoyerswerda das neue Automatische Waldbrand-Früherkennungssystem (AWFS) erklären. Es ist für rund 523 000 Euro modernisiert worden. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Wenn es im Lausitzer Wald zwischen Lauta und Rietschen brennt, kann sich die Leitstelle in Hoyerswerda dank moderner Technik in Windeseile vom Schreibtisch aus ein Bild machen – und zielgerichtet die Feuerwehr losschicken. Von Sascha Klein

Wenn auf dem Computer-Bildschirm in der Hoyerswerdaer Rettungsleitstelle ein Bild mit einem roten Kästchen erscheint, könnte es brenzlig werden. Denn dies ist ein untrügliches Zeichen, dass es irgendwo in den waldreichen Weiten der Kreise Bautzen, Görlitz und Meißen brennen könnte. Der Operator, der dann vor dem Hoyerswerdaer Bildschirm sitzt, sollte in dieser Sekunde aber kühlen Kopf bewahren. Denn er ist derjenige, der oftmals aus 50 oder 60 Kilometern Entfernung abschätzen muss: Brennt es eventuell im Wald? Verbrennt ein Laubenpieper in seiner Gartensparte gerade Laub oder pflügt ein Bauer dort staubend seinen Acker?

Was dem jeweiligen Mitarbeiter in der streng geschützten Leitstelle die Arbeit deutlich erleichtert, ist das neue Automatische Waldbrand-Früherkennungssystem – kurz: AWFS. Diese optischen Sensoren scannen rund um die Uhr die Lage in den jeweiligen Bereichen – und schlagen Alarm, wenn sie etwas Verdächtiges entdecken. Was Indianern einst schon zugute gekommen ist, nutzen die Hoyerswerdaer Waldbrandfrüherkenner jetzt hochauflösend: Rauchzeichen aus kilometerweiter Entfernung.

Seit Juli 2017 arbeitet die Integrierte Rettungsleitstelle (IRLS) in Hoyerswerda mit der neuen Software der Waldbrand-Früherkennung „Fire Watch“ der Berliner Firma IQ Wireless. Insgesamt gibt es im Bereich des Kreises Meißen und der nördlichen Landkreise Bautzen und Görlitz zwölf Feuerwachtürme mit entsprechender Technik. Sie stehen im Kreis Bautzen in Neukollm, Knappenrode, Lippen, Schwepnitz und Hahneberge. Im Kreis Görlitz gibt es mit Weißwasser, Rietschen, Kreba-Neudorf und Horka-Biehain vier Standorte. Weitere drei sind in Zeithain, Weißig und Gävernitz im Kreis Meißen. Diese Wachtürme sind mit neuer Technik ausgerüstet worden. Kostenpunkt: rund 523 000 Euro. Davon kommen rund 392 000 Euro aus Fördermitteln. Der Kreis Bautzen hat etwa 52 000 Euro dazu beigetragen, der Kreis Görlitz 43 000 Euro und der Kreis Meißen 36 000 Euro. Denn: Die bisherige Fire Watch-Version sei inzwischen in die Jahre gekommen, betont Volker Sanderhoff von der Rettungsleitstelle. Die erste Version sei zwischen 2002 bis 2007 installiert worden. Mit dem Einrichten der ostsächsischen Leitstelle in Hoyerswerda ist auch die Waldbrandfrüherkennung dort angesiedelt worden. Zuvor war sie in Kamenz gewesen. Wie Bautzens Landkreis-Beigeordnete Birgit Weber betont, sollen diese Arbeitsplätze weiterhin in der Leitstelle angedockt bleiben.

Doch wann ist dieses Warnsystem überhaupt aktiv? Die Antwort: bei einer Waldbrandwarnstufe von 1 bis 5. Dann sind die drei Arbeitsplätze – einer für jeden Landkreis – besetzt. Dann erhalten die Operatoren, meist Mitarbeiter aus Kreisforstämtern, vor Ort dort 600 bis 700 Meldungen pro Tag. Doch nur die Allerwenigsten, drei bis vier im Monat, führen tatsächlich zu einem Einsatz. Denn: Der Mitarbeiter am Bildschirm kann sowohl ein Schwarz-Weiß-Bild als auch ein Farbbild heranziehen, um herauszufinden, weshalb das System angeschlagen hat. Das sei wesentlich effektiver als alle Wachtürme zu besetzen, sagt IQ Wireless-Geschäftsführer Holger Vogel. Denn das System sei in der Lage, sehr schnell genaue Daten zum jeweiligen vermeintlichen Einsatzort zu liefern.

Mit diesem System können die Hoyerswerdaer Mitarbeiter jetzt auch auf Südbrandenburger Daten aus Guteborn, Ruhland und Reppist (alle Oberspreewald-Lausitz) zurückgreifen. Das ist vor allem für den nahen Landkreis Bautzen interessant. In diesem Jahr könnten noch die Standorte Welzow, Spremberg, Reuthen und Jerischke (Spree-Neiße) dazukommen, die für den Norden des Kreises Görlitz wichtig wären. Diese Standorte werden Sanderhoff zufolge aber noch saniert. Zurzeit gibt es im Norden der sächsischen Lausitz noch vier Feuerwachtürme, die durch Beobachter besetzt werden müssen: Geierswalde, Seidewinkel, Neustadt/Spree und Schleife. Ziel ist, die computergestützte Überwachung so auszubauen, dass diese Türme irgendwann nicht mehr durch die Kreisforstämter besetzt werden müssen.

In der Zentrale in Hoyerswerda blinkt die nächste Meldung auf – ein verdächtiges Bild zwischen Weißwasser und Weißkeißel. Ist das an diesem verregneten Tag Rauch, oder ist es doch keiner? Der Operator schaut sich das Bild genau an, vergleicht mit der Online-Landkarte und gibt Entwarnung. Der Rauch kommt aus einer Gartensparte. So fällt selbst in Hoyerswerda auf, wenn dort jemand sein Laub verfeuert.