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| 14:44 Uhr

Aus der Schule
Weil fast jedes Kind ein Handy hat

Beim Projekt in der Schliebener Schule spazieren Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern durch die Mediengalaxie und kommen dabei ins Gespräch, welche Vor- und Nachteile moderne Medien haben.
Beim Projekt in der Schliebener Schule spazieren Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern durch die Mediengalaxie und kommen dabei ins Gespräch, welche Vor- und Nachteile moderne Medien haben. FOTO: Sylvia Kunze / LR
Schlieben. Medienprojekt in Schliebener Grundschule zu Chancen und Risiken der neuen Technik. Von Sylvia Kunze

Welches PC-Spiel ist ab welchem Alter freigegeben? Lucie Batmann und Jenny Nierisch kommen kurzzeitig ins Grübeln. Die beiden Mütter haben sich auf die Reise in die Mediengalaxie begeben, die in der Schliebener Grundschule einen Tag lang das Leben bestimmt. Der intergenerative Medienaktionstag, der vom Verein Metaversa im Auftrag der Lokalen Aktionsgruppe Elbe-Elster begleitet wird, hat bei dem beiden Frauen, so wie bei vielen anderen Eltern, Großeltern und Geschwisterkindern der Schüler der 4., 5. und 6. Klassen, sofort Interesse geweckt. „Ein Handy ist heute ein Muss. Ich will schließlich wissen, wo meine Tochter ist, was sie unternimmt. Aber ich habe auch das Passwort und kann kontrollieren, was sie mit ihrem Handy macht“, berichtet Lucie Batmann. „Das Aufpassen, was Kinder machen, egal ob mit dem Handy oder am PC, das ist ganz wichtig“, bestätigt auch Nancy Heinze, die sich gemeinsam mit ihrer Tochter auf die Tour begeben will.

Genau so ist die „Reise“ konzipiert. „Am Vormittag haben wir mit den Schülern generell über Medien und Medienkonsum geredet. Wir haben über die Chancen der neuen Medien, aber auch über Gefahren und Risiken gesprochen“, erzählt Michael Lange vom projektbegleitenden Verein. Sein Fazit: Die Schliebener Schüler sind (zum Glück) bisher noch nicht so mit negativen Folgen in Berührung gekommen. Aber er weiß auch: Mit dem PC ist inzwischen jeder im Internet unterwegs und die 80 Prozent der Grundschüler, die ein Handy besitzen, telefonieren damit nicht nur, sondern spielen und surfen auch.

„In unserer Schule nutzen wir sehr intensiv die neuen Medien“, begründet Lehrerin Sabine Tischer diesen Tag. „Also soll auch jeder sensibilisiert werden, was der Umgang mit ihnen bedeutet. Wir wollen unsere Schüler da ordentlich heranführen. Wollen aufzeigen, was es für Folgen haben kann, wenn man im Chat wahllos Leute einlädt, wollen das Potenzial des Cybermobbings thematisieren. Die Kinder müssen wissen, wie sie damit umgehen oder wem sie sich anvertrauen können, wenn es Probleme gibt.“

Insofern freue es sie sehr, dass auch Eltern, Großeltern und Geschwister so hinter der Aktion stehen. „Jeder Schüler hat mindestens einen Begleiter aus seiner Familie an seiner Seite!“ Letztlich solle das gemeinsame Erleben der Mediengalaxie auch Familienbande stärken und dazu anregen, zum Medienkonsum miteinander ins Gespräch zu kommen. Den erlebnisorientierten Parcours mit 13 Stationen durchlaufen am Montagnachmittag an die 70 Mädchen und Jungen der Klassenstufen 4 bis 6.

Sich den neuen technischen Möglichkeiten öffnen, das habe schon mit dem Projekt Telepräsenzlernen begonnen, das leider nie so richtig ins Rollen kam, erinnert Lehrerin Astrid Thiessenhusen. Was hingegen richtig gut laufe, sei die Lernplattform, auf die alle Schüler der Klassen 3 bis 10 Zugriff haben, aber auch deren Lehrer und Eltern. Dort befinden sich Links zum Lernen, Dateien mit Arbeitsblättern, Mitteillungen über anstehende Klassenarbeiten und mehr. „Über Chat- und Mailkontakt tauschen sich beispielsweise immer mehr Eltern mit anderen Eltern oder Lehrern aus“, so die Schliebener Lehrerin.

Während sich Nancy Heinze inzwischen mit Tochter Samira an das Aufnehmen eines Werbespots wagt, scannt Lucie Batmann QR-Codes und versucht mit Tochter Aylin darin enthaltene Rätsel zu lösen. „Die Kinder wissen schon mehr als wir“, gesteht Jenny Nierisch ein. Grund genug, das eine oder andere Mal genauer hinzuschauen und weiter im Gespräch zu bleiben.

Nancy Heinze und ihre Tochter Samira versuchen sich im Erstellen eines Werbevideos - eine von 13 Stationen in der Mediengalaxie.
Nancy Heinze und ihre Tochter Samira versuchen sich im Erstellen eines Werbevideos - eine von 13 Stationen in der Mediengalaxie. FOTO: Sylvia Kunze / LR