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| 15:49 Uhr

Gemüseanbau
Preschener Spargelsaison beginnt

Saisonkraft Ines Drüsedau zeigt den ersten Preschener Spargel.
Saisonkraft Ines Drüsedau zeigt den ersten Preschener Spargel. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Preschen. Ab Dienstag sind erste Verkaufsstände offen. Es wird immer schwieriger, Erntehelfer zu finden. Von Steffi Ludwig

Am Mittwoch vergangener Woche ist er in den Erdwällen in Preschen (Gemeinde Neiße-Malxetal) entdeckt worden, der erste Spargel des Jahres. Rund zwei Wochen später als im Vorjahr wächst das Königsgemüse wegen des sonnigen Wetters jetzt ordentlich und wird bereits im Hofladen in Preschen angeboten. Am Dienstag öffnen die ersten Verkaufsstände in Forst, Döbern, Weißwasser und Niesky, kündigt Michaela Kaltschmidt vom Spargelbetrieb Kaltschmidt an, den sie gemeinsam mit Bruder Gerald führt. Die anderen fünf Verkaufsstände in Döbern, Schleife, Weißwasser, Krauschwitz und Schwarze Pumpe sollen bis spätestens zum Wochenende, vielleicht schon ab Mittwoch, folgen.

Seit dem Spargel-Start geht es zu wie im Bienenstock im Preschener Spargelbetrieb. Gaststätten rufen an und wollen Spargel bestellen, Saisonhelfer werden eingewiesen, Kunden stehen im Hofladen nach den ersten Stangen an.

Doch hinter den Kulissen sieht es gar nicht so rosig aus: „Es wird immer schwieriger, Personal zu finden – sowohl für den Verkauf, als auch Erntehelfer“, bedauern Michaela und Gerald Kaltschmidt. Deshalb sind aus den vormals elf und voriges Jahr noch zehn Verkaufsbuden in diesem Jahr neun geworden. „Görlitz und Hoyerswerda konnten wir einfach nicht mehr mit Verkäuferinnen besetzen“, so Michaela Kaltschmidt. Das Arbeitsamt vermittele zwar einige Arbeitskräfte, aber nur wenige könnten sich offenbar aus der Arbeitslosigkeit heraus für das Saisongeschäft von April bis Ende Juni erwärmen.

Und was jahrelang kein Problem in Preschen war oder sogar ein Vorteil durch die Lage an der polnischen Grenze, wird zunehmend eines: ausreichend polnische Spargelstecher zu finden. Erstmals haben Kaltschmidts eine Anzeige auf einem polnischen Internetportal geschaltet. „Wir brauchen reichlich 50 und haben bisher erst die Hälfte“, sagt Gerald Kaltschmidt. Der Grund sei einmal die anziehende polnische Wirtschaft, sodass polnische Arbeitskräfte auch im Land blieben. Aber viele gingen inzwischen weiter ins Landesinnere bis nach Bayern zum Spargelstechen, haben Kaltschmidts bemerkt. Denn dort könnten die Betriebe noch mehr zahlen als den Mindestlohn, da dies dort auch auf den Spargelpreis umgelegt werden könnte. Die Kunden würden dort ohne Weiteres Kilopreise von 16 Euro zahlen, so Michaela Kaltschmidt.

In Preschen seien nicht mehr als die gegenwärtig 12,90 Euro für den ersten Spargel der besten Kategorie möglich – denn hier gebe es die Konkurrenz des günstigeren polnischen Spargels. In Polen betrage der Mindestlohn drei Euro, was zu günstigeren Spargelpreisen führe. „Hier müsste sich die Politik auf EU-Ebene dringend etwas überlegen“, so Gerald Kaltschmidt. Die Preschener zahlen seit Januar allen Mitarbeitern den Mindestlohn von 8,84 Euro. Zum Vergleich:  2016 waren es noch 7,90 Euro.

Deshalb mussten sie zumindest für die Geschäftskunden aus den Gaststätten den Kilopreis um 20 Cent anheben. „Aber wir haben gerade im Dresdner Raum einige zuverlässige Gastronomen gefunden, die unseren Spargel schätzen und dies auch gern zahlen“, so Kaltschmidt. Auch in Potsdam und der Oberlausitz gebe es viele treue Lokale als Kunden.

Die Nachfrage nach geschältem Spargel sei weiter gestiegen, weshalb die vor zwei Jahren angeschaffte Schälmaschine fast nicht mehr hinterher komme, schmunzelt Gerald Kaltschmidt. Neueste Errungenschaft ist eine Maschine, die den Spargel in Stücke schneidet – was ebenfalls stark nachgefragt werde. Er hoffe jetzt auf ein gutes Spargeljahr, 2017 sei von der Ernte her durchschnittlich gewesen. Und darauf, noch Personal zu finden.