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| 11:10 Uhr

Elbe-Elster-Kulturpreise 2017
Ein Schmuckstück der Renaissance gerettet

Heide Waschkies bringt Kultur in ihr Mühlberger Renaissancehaus.
Heide Waschkies bringt Kultur in ihr Mühlberger Renaissancehaus. FOTO: Veit R“sler / Veit R“sler/vrs1
Herzberg. Der Preis für Denkmalpflege 2017 geht an Heide Waschkies aus Mühlberg.

Aus der Laudatio: Heide Waschkies und ihr Mann aus Mühlberg/Elbe haben ihr denkmalgeschütztes Wohnhaus liebevoll saniert und zu einem öffentlich zugänglichen Schmuckstück gemacht. Das ist nun verdient preisgekrönt.

Heide Waschkies wurde im Oktober 1943 in Mühlberg/Elbe geboren. Dort besuchte sie die Grundschule und lebte bis 1968 in der Stadt an der Elbe. In dieser Zeit absolvierte sie zudem ihr Abitur in Torgau und begann anschließend eine Lehre als Buchhändlerin in Leipzig. Nach ihrem Germanistik- und Philosophie-Studium arbeitete sie zunächst als Pädagogin. Ab 1979 war sie bis 2009 stellvertretende Schulleiterin und Direktorin der Berufsschule für Deutsche Buchhändler in Leipzig.

Gemeinsam mit ihrem Mann übernahm Heide Waschkies 1994 das seit über 160 Jahren im Familienbesitz befindliche denkmalgeschützte Wohnhaus in der Kirchstraße 15 in Mühlberg. Nach der Überlieferung geht das Haus in seiner Entstehung auf das Jahr 1543 zurück und zählt nach inzwischen gesicherten Erkenntnissen zu den bedeutendsten Bürgerhäusern der Renaissance im Land Brandenburg.

Während der sensiblen Restaurierung des Gebäudes traten neben den bautechnischen Problemen zusätzlich eine Fülle von neuen, nutzungsbeschränkenden Aspekten auf, die alle ursprünglichen Pläne ins Wanken brachten. Trotz ungewöhnlich komplizierter Abstimmungsprozesse zu baulichen und restauratorischen Details ließen sich die Eigentümer nicht von ihrem Ziel abbringen, das Haus als Denkmal zu erhalten und vor allem auch den Saal mit der Renaissance-Balkendecke für eine öffentliche Nutzung vorzusehen. Am 25. Juni 2001 konnte im Rahmen einer offiziellen Einweihung die Fertigstellung des Objektes, auch als Beispiel für eine gelungene Restaurierung, mit historischen Kostümen feierlich begangen werden. Ein Jahr später erfolgte die Auszeichnung zum Denkmal des Monats der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg.

Nachdem der Saal zunächst an ein Architekturbüro sowie einen Restaurator vermietet werden konnte, begann Heide Waschkies 2012 damit, die Räumlichkeiten mit etwa 60 Sitzplätzen für eine Konzertreihe zu öffnen. Der Erfolg dieser Idee spornte sie dazu an, weitere Veranstaltungen zu etablieren. Es entwickelte sich eine besondere Art der Kultur im privaten Raum, bei der in etwa 40 Veranstaltungen weit mehr als 1000 Gäste begrüßt werden konnten. Um dem gastronomischen Engpass in Mühlberg/Elbe vor allem im Jahr des Reformationsjubiläums entgegenzuwirken, etablierte sie stets sonntags von Mai bis Dezember ein temporäres Café, das von den vielen Touristen gern angenommen wurde.

Der große persönliche Einsatz bei der Restaurierung des Gebäudes Kirchstraße 15 sowie die außergewöhnlichen und selbstlosen Bemühungen für eine denkmalgerechte Nutzung, die eine perfekte Verbindung von Denkmalpflege und Kultur schafft, werden mit dem Preis gewürdigt. Die kulturelle Nutzung des privaten Gebäudes und das damit verbundene Wirken für den Gedanken einer aktiven Denkmalpflege ist beispielgebend auch über die Elbe-Elster-Region hinaus.

(pm/leh)