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| 18:54 Uhr

Tatort Internet
Opfer tragen den Täter in der Hosentasche

Dr. Catarina 
Katzer.
Dr. Catarina Katzer. FOTO: Agentur / LR
Elbe-Elster/Köln. Dr. Catarina Katzer, Inhaberin des Forschungsinstituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln, gehört zu den Experten auf dem Gebiet „Cybermobbing und sexuelle Gewalt in der Internetwelt“. Die RUNDSCHAU telefonierte mit ihr. Von Frank Claus

Dr. Catarina Katzer, Inhaberin des Forschungsinstituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln, gehört zu den Experten auf dem Gebiet „Cybermobbing und sexuelle Gewalt in der Internetwelt“. Die RUNDSCHAU telefonierte mit ihr.

Frau Dr. Katzer, wie schwerwiegend ist Cybermobbing?

Katzer: Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt, auch wenn die Täter oft darstellen, es sei doch alles nur Spaß gewesen. Unseren Studien nach hat jeder fünfte Jugendliche, der Opfer wird, Suizidgedanken.

Warum geht Cybermobbing so tief, verletzt so sehr?

Katzer: Es ist kein Mobbing, von dem man sich einfach abwenden kann. Betroffene tragen den Täter oder die Täterin 24 Stunden mit sich herum – meist in der Hosentasche.

Weshalb sinkt die Hemmschwelle immer mehr?

Katzer: Weil es keine normale Auseinandersetzung ist, wo man seinem Gegenüber in der Regel in die Augen schauen muss. Das Smartphone ist wie eine Trennung zwischen Handlung und körperlichem Empfinden. Die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich in der Anonymität des Internets in die Gefühle des Gegenüber hinein zu versetzen nimmt ab. Täter fragen sich zumeist nicht, wie schlimm sich ihre Angriffe beim Gegenüber auswirken. Das führt dazu, dass die Hemmschwelle sinkt. Man muss ja nur ein paar Tasten drücken. Wir haben das bei Rollenspielen in Schulen immer wieder festgestellt. Keiner will das Opfer sein.

Was raten Sie Betroffenen?

Katzer: Das hängt von der Persönlichkeit ab. Manche widersetzen sich deutlich. Andere, die das nicht können, sollten sich Verbündete suchen, ihnen mitteilen, was passiert ist. Es bedarf eines guten Kontaktes zu Vertrauenspersonen, ob nun in der Familie, in der Schule, im Verein.

Sie gehen noch einen Schritt weiter.

Katzer: Wir fordern mit Kollegen einen Notfallbutton in sozialen Medien, auf den Mobbingopfer klicken können, wenn sie sich keinen Rat mehr wissen und Hilfe benötigen.

Mit Dr. Catarina Katzer
sprach Frank Claus