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| 18:35 Uhr

Polizei wird in Asylbewerberunterkunft fündig
Razzia in der Hegelstraße

Polizeieinsatz in Asylbewerberunterkunft in Cottbus-Sachsendorf FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Nach mehreren Prügelattacken Dienstagnacht durchsucht die Polizei am Mittwoch die Flüchtlingsunterkunft. Die Stadt überprüft daraufhin das Sicherheitskonzept fürs Stadtfest. Von Peggy Kompalla

Die Polizei hat nach der Prügelnacht am Mittwoch ihre Macht demonstriert und die Flüchtlingsunterkunft an der Hegelstraße mit richterlichem Beschluss durchsucht. Die Razzia dauerte den halben Tag und diente der Gefahrenabwehr. Bei den Durchsuchungen fanden die Beamten nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Wendt unter anderem einen Golfschläger, massive Holzlatten und Fahrradschlösser, die in Verstecken deponiert waren. Die Gegenstände wurden als Schlagwerkzeug sichergestellt. Darüber hinaus wurde ein 27 Jahre alter Afghane vorläufig festgenommen. Er steht demnach im dringenden Tatverdacht mit einem Messer an den Auseinandersetzungen der Vornacht beteiligt gewesen zu sein.

Auslöser für die eingehende Durchsuchung von 50 Wohnungen in den beiden Blöcken in Sachsendorf waren mehrere heftige Prügelattacken unter Flüchtlingen. Sie hatten am Dienstagabend auf dem Sportplatz an der Unterkunft ihren Anfang genommen, sich im Krankenhaus und in der Innenstadt fortgesetzt. Involviert waren dabei Tschetschenen, Afghanen und Syrer. In der Nacht nahm die Polizei nach eigenen Angaben 26 Tschetschenen in Gewahrsam. Die Männer sind wieder auf freiem Fuß.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) fand angesichts der Attacken deutliche Worte: „Eine derartige Eskalation der Gewalt ist nicht hinnehmbar, gerade nicht von Menschen, die angeben, vor Gewalt in ihrer Heimat bei uns in der Stadt Schutz zu suchen. Wenn Gespräche und klare Ansagen nichts nutzen, dann muss konsequent und rechtsstaatlich gestützt abgeschoben werden.“ Die Stadt setze gemeinsam mit der Polizei alles daran, dass Ordnung und Sicherheit in Cottbus gewährleistet bleiben. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärte, dass über die Verlegung einzelner Personen aus der Unterkunft nachgedacht werde, um den schwelenden Konflikt zu entschärfen. „Das muss aber genau betrachtet werden. Denn wir wollen keine Probleme verlagern“, so Gloßmann. Mit Blick auf das Stadtfest, das am Freitag beginnt, werde die Rathausspitze das Sicherheitskonzept nochmals gemeinsam mit der Polizei überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

In der Unterkunft in Sachsendorf brodelt es zwischen den Nationalitäten offenbar schon länger. Am Sonntag äußerte sich der Konflikt in einer ersten Prügelattacke. Dabei ging eine Gruppe von Tschetschenen auf einen Afghanen los, weil der nach dem Sport mit freiem Oberkörper in die Unterkunft kam. Der 28-Jährige wurde dabei verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. An dem Tag herrschten Temperaturen von 30 Grad Celsius.

In der Hegelstraße leben nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit 86 Personen aus der Russischen Förderation – dies sind zumeist Tschetschenen – 56 Afghanen und 18 Syrer. Mit diesen Nationalitäten leben Menschen mit sehr unterschiedlicher religiösen Ansichten zusammen. Während die Afghanen eher als gemäßigt gelten, praktizieren Tschetschenen den Wahhabismus, eine sehr strenge und radikale Auslegung des Islam. Darüber hinaus gilt noch der Fastenmonat Ramadan. Er endet diese Woche Donnerstagabend. Deshalb sind die Nerven der Menschen zusätzlich angespannt.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) warnte am Mittwoch auf einer Fachtagung in Potsdam vor einem wachsenden Islamismus-Problem im Land Brandenburg. Die meiste Gefahr gehe dabei von Anhängern des Kaukasischen Emirates aus, die in Tschetschenien einen Gottesstaat errichten wollen.

Oberbürgermeister Kelch betonte: „Wir werden dennoch und gerade trotz dieser Auseinandersetzungen den sachlichen Dialogprozess und das Bürgergespräch in den Stadtteilen weiterführen.“ Kommenden Dienstag geht es um 18.30 Uhr in Sandow in der Carl-Blechen-Grundschule weiter. Die Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis (SPD) sagte: „Ich habe eine Vielzahl von friedlichen Menschen getroffen, die alle bestrebt waren, sich in das Cottbuser Leben zu integrieren und ein friedliches Miteinander zu schaffen. Dass nun eine Gruppe von Gewalttätigen meint, sie müssten ihre Konflikte hier bei uns ausleben, darf nicht sein und ist nicht zu tolerieren.“ Insofern unterstütze sie die Idee einer Vereinbarung zwischen Flüchtlingen und der Stadt Cottbus. „Darin sollen sich Flüchtlinge dazu bekennen, sich an die hier geltenden Regeln und Gesetze zu halten und erhalten im Gegenzug die Unterstützung der Stadt bei ihrem Start in Cottbus.“

Polizeieinsatz in Asylbewerberunterkunft in Cottbus-Sachsendorf FOTO: Michael Helbig