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| 18:02 Uhr

Panini-Bilder
Panini umgeht Werbeverbot an Schulen

Auch vor der Fußballweltmeisterschaft in Russland sind beträchtliche Teile der deutschen Bevölkerung vom Sammelfieber ergriffen. Panini nennt keine Zahlen.
Auch vor der Fußballweltmeisterschaft in Russland sind beträchtliche Teile der deutschen Bevölkerung vom Sammelfieber ergriffen. Panini nennt keine Zahlen. FOTO: dpa / Lena Klimkeit
Cottbus. Großzügigkeit oder pädagogisch wertvoll? An Grundschulen in Cottbus werden Panini-Stickerhefte ausgeteilt, trotz Werbeverbot. Von Josephine Japke

45 Millionen Euro Umsatz machte Panini zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien allein in Deutschland. Damit das bunte Heft mit 683 Klebebildchen auch in diesem Jahr wieder zum Verkaufsschlager wird, geht der Verlag früh auf Kundenfang. Und der beginnt schon in Schulen. Über einen Dienstleister lässt Panini kostenlose Hefte und Sticker an Bildungseinrichtungen verschicken. Doch wie verträgt sich das mit dem gesetzlichen Werbeverbot an brandenburgischen Schulen?

„Das geschieht keinesfalls ungefragt“, stellt Andreas Danner, Marketingmanager von Panini, klar. Nur wer Teil des Sponsoring-Pools des Dienstleisters ist, bekommt die Hefte. Jederzeit kann die Zusammenarbeit beendet, die Hefte gar zurückgeschickt werden. „Panini kommt damit einem ohnehin bestehendem Bedürfnis nach. Viele Schulen wenden sich an uns und bitten um Alben und Tüten“, erklärt Andreas Danner.

Weil das zu Hochzeiten der WM allein nicht machbar sei, hat Panini die Agentur „Blattwerk Media“ beauftragt. Das Unternehmen mit Sitz in Recklinghausen betreut laut eigenen Angaben mehr als 7000 Kindergärten und fast 3000 Grundschulen bundesweit. Der „Spezialist für kind- und familiengerechtes Marketing“ schreibt auf seiner Internetseite, dass nicht jedes werbliche Anliegen umgesetzt werden darf. Aber: „Panini-Hefte förden unseres Erachtens den persönlichen Austausch zwischen Menschen“, erklärt Blattwerk-Geschäftsführer Ulf Lucas. Der Nutzen für die Kinder müsse immer an erster Stelle stehen. „Nur pädagogisch sinnvolle und dem Alter angemessene Produkte werden an Kinder verteilt“, heißt es auf der Internetseite der Agentur.

Was pädagogisch sinnvoll ist, liegt im Auge des Betrachters. Dass Werbung auf dem Schulgelände verboten ist, allerdings nicht. Das wird im Brandenburgischen Schulgesetz (BbgSchulG) und in den Verwaltungsvorschriften-Schulbetrieb geregelt. Demnach sind Werbung, Sponsoring und Spenden nur in Einzelfällen erlaubt und wenn der Bildungsauftrag der Schule nicht beeinträchtigt wird. „Ohne konkrete Kenntnisse des Sachverhalts gehe ich trotzdem davon aus, dass es sich hier nicht um einen Ausnahmefall handelt, weswegen ein Verstoß gegen die Regelung vorliegen könnte“, sagt Gerald Boese, Leiter des Schulamtes Cottbus. Wie das Schulamt das Werbeverbot handhabt, bleibt unbeantwortet.

Aus dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) heißt es weiter, dass die Verteilung der Stickerhefte unzulässig ist, wenn diese bloße Produkt-Werbung sind. Ralph Kotsch, Pressesprecher des MBJS legt die Werbeaktion von Panini als Spende aus. Geld- und Sachspenden dürfen laut Schulgesetz entgegen genommen werden. „Die Entscheidung trifft die Schulleitung in eigener Zuständigkeit nach Anhörung der Schulkonferenz und im Einvernehmen mit dem Schulträger“, erklärt Ralph Kotsch. Weder dem MBJS noch dem Cottbuser Schulamt liegen Beschwerden vor.

Auch Andrea Gründer, Schulleiterin der Fröbel Grundschule Cottbus, liegen keine Beschwerden vor. „Lehrer und Schüler nehmen die Hefte liebend gern an. Die Resonanz darauf ist sehr gut“, erklärt sie. Ähnlich sieht es an der Umweltgrundschule in Dissenchen aus. Hier werden die Hefte sogar in den Unterricht eingebunden, wie die stellvertretende Schulleiterin Birgit Kozlowski beschreibt: „Die ganze Schule nimmt an einem Fußball-Projekt teil, da passen die Panini-Hefte perfekt in den Unterricht.“ In Geografie könne man mit ihnen Länder und Flaggen lernen und in Mathe das Rechnen mit Tabellen. Die Lehrer konnten selbst entscheiden ob sie die Hefte im Unterricht einbinden möchten.

Das Werbeverbot sieht Birgit Kozlowski nicht beeinträchtigt, weil die Kinder die Hefte auch von selbst nutzen würden und in den Pausen gerne Sticker tauschen. „Ob sie nun Panini-Sticker sammeln oder die von Rewe oder Hanuta, ist ja auch egal. Es sind nur Fußball-Bilder und da ist nichts Schlimmes dran“, sagt sie. Die beiden Pädagogen sind sich einig: „Was die Eltern mit den Heften machen, ist ihnen überlassen. Sie müssen ihren Kindern ja keine Sticker kaufen.“