ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:35 Uhr

RUNDSCHAU-Redaktionsgespräch
„Aber es war nichts mehr auf dem Teller“

Martin Neumann: Wir brauchen endlich gemeinsame Bildungsziele und vergleichbare Schulabschlüsse.
Martin Neumann: Wir brauchen endlich gemeinsame Bildungsziele und vergleichbare Schulabschlüsse. FOTO: Angelika Brinkop / LR
Cottbus. Martin Neumann aus Vetschau macht seit 28 Jahren Politik für die FDP. Er wurde in den ersten Brandenburger Landtag gewählt, regierte mit in der „Ampel“ und ist jetzt zum zweiten Mal Bundestagsabgeordneter. In der RUNDSCHAU spricht zu Jamaika, Groko sowie das Auf und Ab seiner Politiker-Karriere. Von Christian Taubert

Der Vetschauer FDP-Politiker Martin Neumann hätte seine Berliner Wohnung eigentlich längst aufgeben müssen. Hat er aber nicht getan. Trotz des eklatanten Absturzes seiner Liberalen bei der Bundestasgwahl 2013 „hatte ich das Gefühl, es wäre falsch, das Kapitel Bundestag für immer abzuschließen“. So vermietete er nach vier Jahren als Mitglied des Bundestages und Teil der schwarz-gelben Regierungskoalition das Wohnquartier, weil er vielleicht ja doch noch einmal einziehen könnte.

Das ist ihm vier Jahre später gelungen. Die Wähler haben es dem Lausitzer ermöglicht, über Platz zwei auf der FDP-Landesliste in die 80 Abgeordnete starke Fraktion im Bundestag zu kommen. Und  beinahe hätte es auch wieder zum Mitregieren gereicht. „Aber es war nichts mehr auf dem Teller“, beschreibt Neumann im Redaktionsgespräch bei der RUNDSCHAU bildlich, weshalb Parteichef Christian Lindner den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen mit Union und Grünen verkündete. Der 61-jährige Professor für Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Magdeburg-Stendal nennt dafür nur zwei Beispiele:

Die Grünen hätten sieben Gigawatt Kraftwerksleistung kurzfristig abschalten wollen. Dieser schnelle Ausstieg aus der Kohle hätte nach Neumanns Auffassung extreme Auswirkungen auf die Lausitz – speziell auf die Kraftwerke Jänschwalde und Boxberg – gehabt. Für Neumann hat dabei das Argument, deutsche Klimaziele seien in Gefahr, nicht gezogen. „Trotz des deutschen Ausstiegs aus der Kernkraft sind die Klimaziele immer gleich geblieben. Das ist jedoch zu kurz gedacht“, verweist Neumann auf die Kohleregionen, die jetzt die Lücke schließen sollen.

Als energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion wird er diesen Prozess jetzt eng begleiten. Genauso wie Veränderungen in der Bildungspolitik, für die die FDP in den Jamaika-Sondierungen Ablehnung vor allem von Unionsseite erfahren habe. „Für uns war wichtig, dass der Bund endlich gemeinsame Bildungsziele festlegt, die in den Ländern umgesetzt werden müssen“, erläutert Neumann. Es gehe um die seit Jahrzehnten nicht durchsetzbare Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse. Das Mitglied des Bildungsausschusses im Bundestag muss allerdings zur Kenntnis nehmen, dass jetzt für die Groko ein nationaler Bildungsrat verhandelt wurde. „Ein anderer Name zur Umsetzung unserer Forderung“, sagt der Liberale mit einem Augenzwinkern.

Ob es überhaupt zur Groko kommt? Neumann sieht ein knappes Ja voraus. Auch, wenn nach der Koalitionsvereinbarung „bei der SPD alles, was falschlaufen konnte, auch falschgelaufen ist“. Was Ex-SPD-Chef Martin Schulz widerfahren ist, nennt Neumann „menschlich tragisch und politisch katastrophal“. Wobei er ausdrücklich sagt, dass solche Entscheidungen immer auf das Versagen eines Teams zurückzuführen sind.

28 Jahre macht Martin Neumann nun schon liberale Politik. Dabei ist ein Auf und Ab für ihn nicht neu. In Brandenburgs Ampelregierung mit SPD, Bündnis 90 und FDP (1990-94) hat er das erste Mal mitregiert, um bei den zweiten Landtagswahlen nach der Wende in Brandenburg vom Wähler in eine fast 20-jährige außerparlamentarische Arbeit verbannt worden zu sein. Sich in dieser Zeit „politisch fit zu halten, ist nicht einfach“, macht er im Redaktionsgespräch deutlich. Aber er gibt Jung-Politikern vor allem mit auf den Weg, „geduldig zu bleiben“.